Spilea Koundani, Kambos, Mani, Peloponnes, Griechenland
Spilea Koundani, Kambos, Mani, Peloponnes, Griechenland

Koundani, Kambos, Kalamata

Kalianeika, Kambos, Avias, Kalamata, Peloponnes

Lage im Gebiet „Bunina“, in topograpischen Karten als „Kallithea“ bezeichnet.

Exponiert nach Süden ist am Berg eine große Doline eingebrochen, deren Boden horizontal planiert ist und im Zugangsbereich keine Felsumrandung aufweist. Man kann also direkt in den Einschnitt einspazieren. Der ebene Boden bildet einen auch beackerbaren großen Vorplatz vor einem weiten Abri mit Höhlenzugängen. Einer befindet sich im offenen Abribereich etwa 3m über dem Boden.

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Von dort oben aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Küste in Richtung Kadamili.

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Das Wohnabri

Aus dem Abri führt ein Schluf ins Innere der Höhle.

02-hgr07-02schluf

 

27.12.1979

Erstbefahrung und Erkundung

01.01.1980

Die zweite Befahrung am 01.01.1980 bringt den Weiterweg. Der Eingang zieht an der westlichen Seite des Abris in den Berg. Die Höhle setzt in einem engen Schluf nach rechts an und erstreckt sich auch in dieser Richtung nach Norden. Die Schichten liegen dort kuppenförmig übereinander. Der erste Teil der Höhle wird von einer ausgespülten Schicht von 0,5 bis 1 m Mächtigkeit gebildet, die an vielen Stellen zugesintert ist. Am höchsten Punkt dieses Kugelsegmentes ist der Zugang.

06. + 07.01.1980

Der Eingang zur eigentlichen unteren Koundani liegt links in der höhlenartigen Fortsetzung des Abris. Dort öffnet sich ein Schluf rechts am Boden. Im linken oberen Bereich dieser blockerfüllten Eingangszone finde ich ein altes Gewehr, englische Bauart, um die Jahrhundertwende.

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Die Höhle ist in einer linsenförmig nach oben gewölbten Schicht angelegt, was uns dazu veranlasst, sie Linsenhöhle zu nennen. Der Eingangsschluf liegt an der höchsten Stelle des Kugelsegmentes. Er ist mit Steinen gesichert und zeigt die Funktion als ehemaligen Unterschlupf (katafigi). Von dort aus geht es zunächst in einer nur geringmächtig ausgeräumten Schichtfuge mehr oder weniger horizontal, dann immer steiler abwärts. Im Schlufbereich gibt es viele Wege und Abzweigungen, die dadurch entstehen, dass Tropfsteine die ausgeräumte Schicht gliedern. Der Raum wird dadurch sehr unübersichtlich, die Gefahr, sich zu „verkriechen“ groß. Als wir mit Fotoausrüstung ankommen, weist uns ein Ariadnefaden den Weg in nördlicher Richtung zur Halle. Die ausgeräumte Schicht ist an vielen Stellen zugesintert. Wir kriechen zwischen schönen Tropfsteinen durch, Tropfsteine und Spaghettis wachsen von der Decke. Durch deren Verteilung ergeben sich immer wieder kleinere Räume.

04-hgr07-09schlufausgang

Nach etwa 80m erreichen wir die große Halle, die sich nach unten öffnet. Die Decke neigt sich nur leicht abwärts, während der Boden steil nach unten abbricht. Ich vermesse mit Azi den Weg durch die Schlufzone. Die Halle dürfte in ihrem weit offenen Teil etwa 10m hoch und 50 x 80m weit sein. Sie ist mit schönen Versinterungen ausgekleidet. Stalagmiten, Stalagtiten, hohe Säulengruppen und viel Bodensinter, alles stellenweise in reinem Weiß schmücken die Halle. Eine große Kerze steht sehr schief.

07-37-21halle

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Die weitflächige Ausräumung der Schicht hat Auswirkungen auf die Tektonik. An vielen Stellen sind die Tropfsteinsäulen gerissen und teilweise wieder übersintert. Im rechten, also östlichen Teil der Halle setzt sich diese in einer gangartigen Erweiterung fort. Ich begehe neue größere Teile. Nach Norden ist die Höhle abwärts mit Sinter und Einschwemmungen plombiert.

Auffallend und interessant sind die vielen Tonscherben, die überall in der Halle zu finden sind. Sie stecken in verschiedener Größe im lockeren, feuchten Bodengrund oder sind auch festgesintert. Es gibt ganz rote Stücke, durchgehend schwarze und solche, die außen schwarz und innen rot sind. Wir finden auch viele Stücke mit Henkeln und Einkerbungen. Erste Datierungen deuten auf das Chalkolithikum, etwa 3000 – 5000 Jahre vor heute. Material und Formen sprechen ebenfalls für das Chalkolithikum, eine typische Zeit des griechischen Neolithikums. Besonders auffallend sind die Henkelformen, die nicht zum Halten des Gefäßes angesetzt wurden, sondern zum Durchzug von Schnüren, an denen das Gefäß getragen und sicher aufgehängt werden konnte. Einige Gefäße zeigen, dass sie sehr kunstfertig dünnwandig ohne Töpferscheibe hergestellt wurden.

22-a10-02eingesintertehenkelscherbe

23-a10-01scherbechalkolithikum

Das stellt einen eindeutigen neolithischen Siedlungsbefund dar. Nicht bewiesen ist, dass die Menschen damals regelmässig in die Halle kamen. Sicher war das Abri bewohnt. Wenn der Boden damals tiefer lag, konnte man aus dem Abri direkt in die dahinter liegenden Räume kommen. Viele der Scherben scheinen nur als Abfall in die nach unten abbrechenden Raumteile geworfen oder dorthin gespült worden zu sein.

13.08.1980, 16 – 23 Uhr

In der größten Nachmittagshitze machen wir uns auf den Weg. Wir haben Foto- und Filmausrüstung dabei. Ich bin naßgeschwitzt und total erledigt, als wir bei der Höhle ankommen. Nach einer Verschnaufpause machen wir uns an den Matrialtransport in die Halle. Wir machen zunächst Foto- und Filmaufnahmen in der Halle und im daran anschließenden geräumigen gangartigen Fortsetzungsteil. Danach vermessen wir diesen Teil der Höhle und binden die Vermessung an unsere letzte an. Zwei von uns kriechen zurück in den Schluf, um einem kurz nach dem Eingang abzweigenden Weg zu folgen (Schlüsselstelle: ein etwa 30cm hoher, schlanker Topfstein, zusammengewachsen, aber an zwei Stellen gebrochen). Der Gang setzt sich als niedere Halle fort, immer weiter als der Eingangsteil. Dort kann man aufrecht gehen. In diesem Bereich gibt es einen alten Mauerrest, der wohl einen ehemaligen Zugang aus dem Abri markiert. Alter Versturz würde bei Grabungen eventuell die Möglichkeit bieten, darunter paläolithische Befunde zu sichern.

Nach 50m war die mitgeführte Fadenrolle zu Ende. Auch in diesem Teil gibt es Scherben. Der Weiterweg zieht deutlich nach links. Nach weiteren 30 bis 40m gibt es Rufverbindung in die große Halle und damit einen Rundgang. Schließlich treffen wir uns alle an der Schlüsselstelle mit dem gebrochenen Tropfstein und plagen uns mit dem Material durch den Eingangsschluf.

Den Rückweg zum Auto müssen wir im Dunkeln machen.

Beim Abstieg in die große Halle fielen uns 3 übereinanderliegende Vertiefungen im Fels auf, die wie bewußt eingehauene Stufen aussehen. Es ist aber an dieser Stelle nicht möglich, aufrecht zu gehen, weshalb die Stufen keine Erleichterung bieten. Entstehung und Sinn bleiben daher fraglich.

Zur Vermessung
Summe der Meßstrecken:       530,40 m
Grundrißprojektion:                519,37 m

26.07.1982

Wir marschieren gegen 11.30 Uhr in 30 min zur Höhle, wobei wir den Weg an der Schlucht entlang, dann aber an der Ndakouri vorbei nehmen. Fotos und Scherbensuche zuerst im oberen Teil. Dann über den Schluf in den inneren oberen „Wohnbereich“. Fotos und Scherbensuche. Dasselbe bis zur Halle, wohin Günter und Armin vorgehen. Dort Überblendfotos mit Stativ. Drei große Blitzbirnen versagen. Wir finden einen ganzen Topf in der 1. Kammer nach dem 1. Schluf beim kurzen Ausgang aus der Halle. Ich möchte gerne weiter vermessen. Die anderen haben aber genug. So machen wir gegen 18 Uhr Schluss.

Im „Wohnbereich“ sind Deckenniederbrüche. Könnte man darunter evtl. Paläolithisches finden?

Neolithisches liegt meist offen auf der Bodenschicht. Diese bedeckt etwa 10 cm dick darunterliegenden Sinter oder Gestein von Versturz.

 

13.04.2001

Wir nutzen einen Nachmittagsrest, um zu erkunden, ob ich nach meinen alten Unterlagen den Zugang von der Seite Kalianeika/Agios Nikolaos noch finde. Es funktioniert. Wir machen Fotos im Außenbereich.

 

Als ich im Jahr 2001 nach vielen Jahren wieder zum ersten Mal hierher komme, biete ich den Behörden in Kambos meine Interpretation des „Lithischen Komplexes Bunina“ an.

Ich bin allerdings skeptisch, ob meine Hinweise wirklich gehört werden. Ich habe in dieser Hinsicht in Griechenland viele frustrierende Erfahrungen gemacht.